Herbst 1998 in Leipzig

3. Oktober 2019

Tag der deutschen Einheit – ein Feiertag. 

Vor 30 Jahren bereitete sich die DDR auf ihren 40. (und letzten) Jahrestag am 7.Oktober vor. Am 2.Oktober 1998 – einem Montag – wahren mehr Menschen auf Leipzigs Straßen zur »Montagsdemo« als sonst. Und sie skandierten neben »Keine Gewalt« und »Wir sind das Volk« auch das trotzige »Wir bleiben hier«.

Eine Woche später – am 9.November waren in den Seitenstraßen neben den Mannschaftswagen der Polizei auch Militärfahrzeuge und Kampfgruppen postiert um die Massen mit aller Gewalt aufzuhalten. Alles deutete auf eine Eskalation nach chinesischem Vorbild hin. Vermutlich verhinderte ein über die innerstädtischen Lautsprecher wiederholter »Aufruf« von sechs prominenten Persönlichkeiten das Schlimmste. Darin riefen Kurt Masur (Gewandhauskapellmeister), Pfarrer Dr. Zimmermann, der Kabarettist Bernd-Lutz Lange und drei Sekretäre der SED-Bezirksleitung zu Besonnenheit auf und versprachen: »ihre ganze Kraft und Autorität dafür einzusetzen, daß dieser Dialog nicht nur im Bezirk Leipzig, sondern auch mit unserer Regierung geführt wird.« 

Angesichts des Jubiläums gehen auch mir viele Erinnerungen durch den Kopf und ich spreche zur Zeit viel mit Bekannten, Freunden und Verwandten über die sich überstürzenden Ereignisse vom Herbst 1998 und wie wir sie in Leipzig erlebt haben. 


An Hand meiner Tagebücher kann ich viele Details nachvollziehen, die ich längst vergessen bzw. verdrängt habe. Hier finden sich Zeitungsausschnitte und sogar Abschriften einiger Dokumente, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte. 

Zum Beispiel haben die Studierenden der drei Leipziger Kunsthochschulen (Theaterhochschule, Musikhochschule und Hochschule für Grafik und Buchkunst - HGB) gemeinsam einen offenen Brief an die DDR-Partei- und Staatsführung verfasst. Und auch der Verband Bildender Künstler (VBK) Leipzig, mahnte in einem Brief an den damaligen Kultusminister der DDR Veränderungen an.

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